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Was beißt denn da?

Ich finde beschreibende Fragen immer so nett, die da lauten: “Irgendwas frißt an meiner Pflanze, was ist das?” Es gibt zigtausende von saugenden und beißenden Insekten und ohne ein Schadbild oder ähnliches, ist es wie die sprichwörtliche Nadel im Heuhaufen finden zu wollen. Aber jetzt gibt es hier eine kleine bebilderte Hilfestellung.

Weil es das Wetter dieses Jahr so gut mit mir meint, habe ich tatsächlich nun eine kleine Auswahl von Schadbildern, die ziemlich eindeutig sind, um den Verursacher ganz klar ausmachen zu können 🙂

Nummer 1: Buchtenfraß

Von vielen allseits geliebt, ist es DAS klassische Schadbild des Dickmaulrüßlers (Otiorhynchus sulcatus). Diese Fraßspuren sind immer klein und an den Blatträndern verteilt. Da der Dickmaulrüßler nicht wählerisch ist, kann der Buchtenfraß so an ziemlich allem auftreten. Dieses Schadbild kann von Ende Mai bis Oktober andauern, je nach Witterung und wie lange der Käfer aktiv ist.

Die Pfeile zeigen auf den charakteristischen Buchtenfraß.

Hier war der Dickmaulrüßler schon einmal Thema -> Klick mich 🙂

 

Nummer 1-1:

Dieses Jahr ist bei mir eine Premiere, der graue Knospenrüßler (Peritelus sphaeroides) hat Einzug gehalten. Wie schön… not! Naja der Schaden hält sich in Grenzen, er hat es zum Glück “nur” auf einen Ribiselstrauch abgesehen, diese Blätter liebt er allerdings. Dieser Rüßler ist aber deutlich größer als seine dickmäulige Verwandtschaft und sitzt am Abend gerne auf den Blättern. So kann man ihn leicht finden.

Ja, so sieht das aus, wenn der Rüßler Hunger hat. Das waren mal Blätter von einem roten Ribiselstrauch.

 

Nummer 2: Blattschneidebienen

Das ist tatsächlich nicht gefressen, sondern akribisch herausgeschnitten. Blattschneidebienen brauchen das Grün, um ihre Brutröhren zu tapezieren und zu verschließen. Liebevolle Bienenmütter, die es ihrem Nachwuchs so hübsch wie möglich machen wollen, wählen dazu auch Blütenblätter 😉 . Im Gegensatz zum Buchtenfraß sind diese Löcher wirklich groß (im Zentimeterbreich). Und ich gebe zu bedenken, es sind Wildbienen, die auch viele Pflanzen bestäuben. Und bei mir “vergreifen” sie sich nur an den Winden, da sind sie herzlich eingeladen.

Das wird aber ein schönes grünes Kinderzimmer 😉

 

Nummer 3: Lochfraß/Fensterfraß

Wenn die Blätter ausschauen als hätte man mit einer Schrotflinte daraufgeschossen, handelt es sich um Lochfraß. Wenn es ganz viele kleine Löcher sind, die auch noch auf Kohl, Rucola, Raps oder alle Sorten von Rüben und alle Arten von Nachtschattengewächsen auftreten, handelt es sich fast immer um einen Erdfloh. Im späteren Stadium gibt es neben den kleinen Löchern auch noch den Fensterfraß, d.h. die oberste und unterste Schicht der Blätter wird abgeschabt und aber ein dünner Teil des Blattgewebes bleibt übrig. Da dieses (fast) durchsichtig ist, sieht aus wie ein Fenster 😉 . Rund um den Fensterfraß vertrocknet dann das Blattgewebe.

Das war ein Mairübchenblatt. Loch- und Fensterfraß kombiniert, das ist doch schön…

Der Rapserdfloh (Psylliodes chrysocephala) hat sich auf alle Sorten Kreuzblütler (alles an Kohl, Rüben etc. pp. ) spezialisiert. Dann gibt es noch einen, der sich auf Nachtschattengewächse spezialisiert hat und Erdäpfel und Paradeiser befällt. Er heißt treffenderweise Kartoffelerdfloh (Psylliodes affinis). Der Erdfloh an sich im generellen, liebt trockene Böden und ist gerne ungestört. Die erwachsenen Käfer kann man fast nicht bekämpfen, da sie sehr schnell und winzig sind. Was sie aber gar nicht mögen, ist Unruhe und Feuchtigkeit. Bei Befall den Boden immer wieder gut durchharken und gut mulchen. Damit fühlen sie sich gestört und werden ihre Eier woanders ablegen. Pflanzen werden durch die Käfer nur im Jungstadium empfindlich beeinträchtigt. Gut genährte,  ausgewachsene Pflanzen überstehen so eine Beißerei/Schaberei tadellos. Der Erdfloh tritt so ab Juni bis August auf. Wenn es ihm zu heiß wird, wandert er im Hochsommer an kühlere Plätze aus (anspruchvoll ist er nämlich auch noch 😉 ).

 

Nummer 4: Skelettfraß

Raupen haben einen immensen Apetit, der sich bis zur Verpuppung noch ordentlich steigern kann.

Der Klassiker schlechthin auf Kohlgewächsen sind die Raupen des Kohlweißlings. Genauer gesagt, die des kleinen Kohlweißlings (Pieris rapae). Diese können eine echte Plage werden, vor allem wenn sie gehäuft auftreten und die Kohlblätter verputzen. Zuerst treten an den Blättern Löcher auf, die dann immer größer werden, allerdings bleiben die Blattadern stehen, so daß das “Blattskelett” übrig bleibt. Man kann diese Plagegeister mit Insektenschutznetzen abhalten, die Raupen absammeln (aber die sind verdammt gut getarnt) oder sich viele kleine Helferleins holen. Bei mir sondieren jedenfalls die Feldwespen immer ausgiebeig die Kohlblättern nach Raupen ab, und sie sind auch viel gründlicher und effektiver als ich 😉 .

Die dicken Blattadern werden stehengelassen (Pfeile).

Da es viele unterschiedliche Falter gibt, gibt es auch viele unterschiedliche Raupen und mache sind so nett und arbeiten sich an Brennesseln und Winden ab. Bitte gerne 🙂

Skelettfraß an einem Windenblatt. Pfeile zeigen wieder auf die stehengelassene Blattadern.

 

Last but not least: Spinnmilben

Spinnmilben fressen keine Blätter, sondern saugen den Pflanzensaft aus. Aber auch sie verursachen ein chakrateristisches Schadbild. Die Blätter fangen an gesprenkelt auszusehen. Diese vereinzelten gelbbraunen Spenkel werden ziemlich schnell ziemlich viele und beginnen inneinenader überzugehen. Es entstehen immer mehr immer größere gelbbraune Flecken. Schlußendlich vergilbt das ganze Blatt und stirbt dann ab. Spinnmilben waren hier auch schon ein Thema, wer genaueres wissen möchte, bitte hier: Klick mich 🙂

Bei den Zuckererbsenblättern hier fangen die einzelnen Sprenkeln gerade an ineinander überzugehen.
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