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Von Bienchen und Blümchen…

oder wohl eher von Finger und Pinsel und Wattestäbchen und Blümchen.

Da ich dieses Jahr wieder einmal Chilis überwintert habe (ich brachte es einfach nicht übers Herz die wunderschönen kräftigen Pflänzchen draußen ihrem Schicksal zu überlassen), dachte ich mir, schreibe ich einmal etwas zum Thema Bestäubung.

Normalerweise übernimmt das ja der Wind oder diverse Insekten, aber im Winter in der Wohnung schaut es da schon ein wenig schwieriger aus.

Nun zuallererst sollte man einmal wissen, welche Pflanzen überhaupt bestäubt werden müssen. Bei einigen Arten langt ja schon der Luftzug, der entsteht, wenn man an ihnen vorbei geht.

Bei Chilis langt das definitiv nicht, da muß man schon Hand respektive Finger anlegen 🙂 und man sollte vielleicht auch noch wissen was man tut, nur an irgendeiner Blüte herumwurschteln bringt es nämlich nicht.

Die meisten kleinen grünen Freunde auf der Fensterbank sind einhäusig, d.h. ihre Blüten haben sowohl männliche (Staubblätter) wie weibliche (Stempel) Geschlechtsmerkmale, bei Chilis etwa.

chiliblüh2

Chiliblüten auf der Fensterbank

Kürbisse zum Beispiel besitzen jeweils getrennte männliche und weibliche Blüten, aber die trifft man im Winter eher etwas weniger auf dem Fensterbankerl an.

Bei Zitronen können rein männliche Blüten auftreten, aber auch zwittrige (also mit männlichen und weiblichen Anlagen). Mit der Zeit, wenn sie verblüht sind, fallen natürlich die rein männlichen ab, sie haben ja ihren Zweck erfüllt. (Die rein männlichen Zitronenblüten riechen übrigens deutlich mehr, bilde ich mir zumindest ein 🙂 ).

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Im Vordergrund die rein männliche Blüte mit den pollenbildenden Staubblättern, im Hintergrund die zwittrige Blüte mit dem großen weiblichen Stempel.

Aber fangen wir mal bei den Chilis an. Wenn es sonnig und warm genug ist, bilden sich viele weiße kleine Blüten. Solange aber noch kein Pollen vorhanden ist, sollte man sich in Geduld fassen. Keine Sorge, der Pollen ist quietschgelb und ist leicht auf einem Finger oder Wattestäbchen zu sehen. Wenn es nun also soweit ist, nimmt man den gelben Pollen auf (Finger, Pinsel, Wattestäbchen) und betupft damit den weiblichen Stempel (der ist leider sehr klein und schlecht zu sehen, deswegen mache ich es mit dem Finger, da habe ich mehr Masse und die Trefferquote ist höher… und außerdem müssen Chiliblüten ansonsten Hummeln und ähnliches aushalten, sooooo empfindlich sind die Blüten also nicht).

chiliblüh1

Hier die Bestäubung mit einem Wattestäbchen.

Solange die Blüten offen sind, würde ich mit täglichem Abstand einmal Bienchen spielen, sicher ist sicher. Wenn die Bestäubung erfolgreich war, fallen die Blütenblätter ab und der grüne Knoten hinter dem Blütenkelch beginnt sich zu verdicken. Dann heißt es warten. Je nach Temperatur und Sonnenschein bildet sich dann langsam aber sicher eine Chilischote heraus.

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Da wächst etwas heran…

Zitronen sind selbstbestäubend, aber ich habe festgestellt sie tragen besser wenn man ein wenig nachhilft. Da geht es sogar ein wenig einfacher. Man bricht eine rein männliche Blüte ab (natürlich nur wenn sie Pollen produziert) und betupft damit den weiblichen Stempel.

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Zwitterblüte bei der Zitrone. Männliche Staubbläter mit weiblichem Stempel.

Keine Sorge, dieser ist bei Zitronen groß ausgebildet und nicht zu übersehen. Wenn auch hier die Befruchtung geklappt hat, bilden sich bald aus den Blüten kleine grüne Zitrönchen aus.

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Kleine grüne Zitrone mit großer gelber Schwester im Hintergrund 🙂

Und das von Hand bestäuben hat einen richtig tollen Vorteil: man weiß immer welcher Pollen von welcher Sorte die Blüte bestäubt hat. So kann man klassisch verschiedene Sorten kreuzen oder auf Sortenreinheit achten ohne verhüten zu müssen. (Ja auch bei Pflanzen muß verhütet werden, um Fremdbestäubung auszuschließen und sortenreine Samen zu bekommen.)

Und Chilis kann man so zu jeder Jahreszeit frisch genießen. 🙂

chiligelb

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