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So, jetzt hat es mich erwischt…

Meine Paradeiser sind krank. Wie alle Lebewesen sind auch Pflanzen streßanfällig und besitzen dann weniger Abwehrstoffe gegenüber Infektionen und Krankheiten. Jetzt haben sich fast alle die Kraut- und Braunfäule eingefangen. Der Frosteinbruch im späten Frühling und das unbeständige nasse und kühle Wetter und der viele Regen der letzten Zeit haben ihr übriges getan.

Die Kraut- und Braunfäule (die übrigens auch Erdäpfel gerne befällt) wird durch einen Pilz (Phytophthora infestans) ausgelöst. Der Pilz braucht zum Keimen und Wachsen hohe Luftfeuchtigkeit (ca. 90%) und eine Temperatur von 15 – 23°C. Unter idealen Bedingungen werden alle drei bis vier Tage neue Sporen gebildet. Der Pilz kann beim Wachsen sogar aktiv bei einer gesunden Frucht die Schale durchdringen und sich ausbreiten. Diese befallenen Früchte bilden dann (meist auf der Oberseite) braune eingesunkene, harte Stellen aus, die tief ins Fruchtfleisch reichen. Nach einer Weile bilden sich grauweiße Pilzrasen, die munter weiter Sporen verbreiten. Deswegen sollten befallene Früchte sofort entfernt werden. In den Abfall, nicht in den Kompost!

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Grindig, nicht wahr. Die Pfeile zeigen den sich bildenden Sporenrasen.

Das Pilzwachstum beginnt normalerweise bei den untersten Blättern, da durch Gießen oder Regen Sporen, die in der Erde vorhanden sind, aufgewirbelt werden und so auf die Pflanze gelangen. Allerdings können die Sporen auch vom sorglosen Nachbarn, dem gegenüberliegenden Erdäpfelfeld, vom Winde verweht oder sonstwo herstammen. Der Pilz bildet nämlich Dauersporen (sogenannte Oosporen) aus, die können unter natürlichen Bedingungen 35 Wochen lang überleben und infektiös sein. Sie halten Temperaturen von -80°C bis +35°C aus. Ziemlich zäh und widerstandsfähig das Zeug. Man kann also nie sagen, woher genau die Infektion stammt, die die Paradeiser dahinrafft.

Ist der Pilz erst einmal da, breitet er sich dann relativ schnell über die gesamte Pflanze aus. Zuerst bilden sich braune unscharfe Blattflecken aus, die später schwärzlich werden. Die Flecken werden rasch immer mehr bis schließlich das gesamte Blatt, der Stengel und die Triebe inklusive Fruchtansätze absterben. Trockene und sonnige Phasen sitzt Phytophthora ohne Probleme über Wochen hinweg aus.

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Wenn die Infektion nicht allzuweit fortgeschritten ist, kann man die Paradeiser noch zu retten versuchen.

Erstens, alle befallenen Pflanzenteile müssen ausgebrochen werden. Diese sind am besten im Mistkübel zu entsorgen, weil wir wollen ja keine neuen Sporenlager produzieren 😉 . Die Sporen sterben aber im Kompost bei einer Temperatur von über 35°C ab. Diese muß aber auch wirklich erreicht werden, ansonsten hat man nächstes Jahr in der Erde noch viel mehr von diesem “lustigen” Pilz.

Zweitens, die Erde rund um die Paradeiser muß abgedeckt werden. Das kann mit Mulch geschehen (Grasschnitt, Stroh, zerrissener Pappendeckel etc.) oder mit Folie (wenn man eh Erde gekauft hat, eigenen sich die Plastiksäcke hervorragend, ein halber Sack deckt einen Mörteltrog ab 😉 ) . Hauptsache es gibt keinen Kontakt mehr zwischen Blättern und Erde und auch bei Regen oder beim Gießen werden keine Sporen mehr aus der Erde aufgewirbelt.

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Hier sind nun gut 10cm Rasenschnitt auf der Erde drauf.

Drittens, muß die Pflanze gestärkt werden. Ich habe dazu Schachtelhalmjauche unverdünnt gegossen. Pro Pflanze ca. einen viertel Liter. Was dann noch übrig war, habe ich auf die neuen Triebe gesprüht. Schachtelhalmjauche hilft gegen Pilzinfektionen und stärkt die Zellwände.

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Noch etwas angeschlagen, aber schon deutlich besser als vor einer Woche.

Allerdings ist das auch kein Wundergebräu, es braucht seine Zeit. Die Pflanze muß die Stoffe ja erst mal aufnehmen und einbauen. Derweil weiterhin alle befallenen Teile entsorgen. Und bitte hinterher die Hände mit Seife gut waschen und nicht mit den infektiösen Fingerchen noch alles mögliche gesunde angrabbeln 😉

Bei den meinigen hat diese Behandlung bisher angeschlagen, es bilden sich neue Triebe, die gesund sind und neue Früchte, die nicht mehr befallen sind. Auch sind fast keine infizierten Blätter mehr zu sehen.

Und wer kann, baut sich seinen Liebsten ein Dach, um sie vor Regen zu schützen. Das ist nämlich die beste Strategie, wenn der Pilz erst gar keine Chance hat.

Ach ja, Paradeiser niemals von oben über die Blätter gießen, denn das liebt er geradezu, dieser Pilz.

Aber etwas Gutes gibt es dennoch zu sagen, wie fast alle Pflanzenkrankheiten ist auch Phytophthora infestans völlig unschädlich für den Menschen.

Und immerhin, ein paar Paradeiser sind richtig schön geworden 🙂

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2 Gedanken zu „So, jetzt hat es mich erwischt…

  1. Wunderschöne Farben haben deine Paradeiser! 🙂

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