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Links, zwo, drei, vier….

so marschieren die Ameisen bei der Biene Maja. Diese exakten Marschformationen kann ich bei mir auf der Terrasse nun nicht ausmachen, dafür wuseln die Amseisen umso fleißiger umher.

Eigentlich mag ich Ameisen, draußen, nicht als vierspurigen Amseisenhighway über mein Bett in die Küche 😉 Dann heißt es auch bei mir, bis hierher und nicht weiter.

Aber normalerweise leben die Ameisen und ich nebeneinander her und wir gehen uns gegenseitig nicht auf die Nerven.

Die Familie der Ameisen (Formicidae) gibt es seit mindestens 100 Millionen Jahren, wahrscheinlich sind sie aber noch älter. Sie sind also schon den Dinosaurieren über die Zehen gekrabbelt.

Heutzutage leben plus/minus 122 Arten in Österreich, so ganz genau weiß man das leider nicht.

Und zumindest eine Art hat sich bei mir häuslich eingerichtet. 😉 Früher oder später kommen die emsigen Krabbler auf jedem Balkon / jeder Terrasse mal vorbei. Sei es durch Späher die Fährten legen, um die hübsche neue Futterquelle zu markieren. Sei es, daß eine Königin einen neuen Staat im Blumentopf aufbauen möchte.

Irgendwann hat man sie einfach. Und eigentlich sind sie sehr nützlich. Ameisen bestäuben Blüten, fressen alles Viechzeug auf was nicht bei drei fortgekrabbelt ist, schaffen alles an Brotbrösel und sonstigem weg, übertragen keine Krankheiten und interessieren sich nicht für gesunde, unbeschädigte Früchte und Gemüse (wenn das Zeug gatschig auf dem Boden liegt, will es eh keiner mehr). Wenn sie nicht solche Blattlausliebhaber wären.

Ameisen “halten” sich Blattläuse (und auch Schildläuse, je nachdem), die sie dann “melken”. Das Ganze nennt sich “Trophobiose” (“Schutz gegen Nahrung”). Die Läuse werden zusammengetragen und hübsch an den Pflanzenstengelchen ausgerichtet.

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Nach einer Weile erkennt man die liebevoll angelegte Blattlauskolonie. Was soll’s, ist eh nur der Mangold, der in Blüte geht.

Manche Ameisenarten geben den Blattläusen Winterquartiere in ihren Nestern, kümmern sich um deren Eier (damit sie ja nicht auskühlen) und tragen alle versprengten und heruntergefallenen oder weggewaschenen Läuschen wieder brav an ihre Plätze zurück. Eigentlich kümmern sie sich rührend um ihre “Haustiere”. Dafür bekommen sie den Honigtau, den die Läuse ausscheiden. (Übrigens, nicht nur Ameisen mögen diesen süßen Saft, auch Bienen freuen sich darüber. Und wir uns über den daraus gewonnenen “Waldhonig”).

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Ameise beim “Betüdeln” ihrer Blattlaus. 😉

Deswegen nutzt die Bekämpfung von Blattläusen nichts, wenn man nicht zeitgleich die Ameisen daran hindert sie wieder anzusiedeln. Bei Obstbäumen kann ein Leimring die Ameisen daran hindern wieder am Stamm emporzukrabbeln. Allerdings sollte dann kein Zweig oder Ast den Boden, oder ein Geländer oder ähnliches berühren, ansonsten haben die Ameisen gleich wieder eine Brücke, wo sie übersetzen können. Wenn die Ameisen keinen Zugang mehr haben, kann man die Läuse gemütlich mit Kaliseifenlauge abwaschen. Normalerweise langen ein bis zwei Spritzungen, dann ist der Läusespuk vorbei.

Wenn man jetzt, so wie ich, nicht die Möglichkeit zu Leimringen hat (bei Ribiselsträuchern tut man sie da etwas schwer), bleibt einem nichts anderes übrig, als sehr konsequent tagtäglich Seifenlauge über Blattläuse und Amseisen zu sprühen. Irgendwann geben sie dann auf, ganz blöd sind sie ja schließlich nicht.

Ich habe es so gemacht, daß ich den Ameisen einige Pflanzen komplett überlasse, wo es mich nicht stört, daß sie ihre Blattlauskolonien anlegen (Blümchen blühen auch mit Blattläusen 😉 ), im Gegenzug halten mir die Ameisen Raupen und anderes Viechszeug fern. Ich habe (da ich doch einiges an Kohlrabi, Brokkoli etc… anbaue) öfters Besuch von Kohlweißlingen, die meinen, sie könnten ihre Eier hier gemütlich ablegen. Manchmal finde ich eine Raupe, aber nur ganz selten, da haben dann meine Ameisen wohl geschlampt.  😉

Und was erwähnenswert ist, Ameisen greifen marmorierte Baumwanzen (diese neue eingeschleppte Pest) sofort an. Und auch die Wanzeneier werden nicht sehr alt. An den Beerensträuchern, wo sich bei mir die Ameisen tummeln habe ich keine Wanzen. Und die Nymphen werden auch erfolgreich dezimiert. Leider sind die ausgewachsenen Wanzen zu groß und können meist entkommen.

Amseisen haben noch eine weitere, immer übersehene, sehr positive Eigenschaft. Sie bestäuben auch Blüten. Zwar deutlich weniger wie Bienen (z.B. an einem Apfelbaum machen sie nicht ganz 4% der Blütenbesucher aus, Bienen hingegen fast 80%), aber Ameisen sind auch bei kälteren Bedingungen und bei Wind aktiv. Sie mögen weniger Blüten besuchen, aber sie tun es dafür zuverlässiger.

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Erwischt 😉

Und Ameisen halten den Boden krümelig. Nachdem sie ja die ganze Zeit emsig ihren Bau vergrößern, durchmischen und durchlüften sie dabei das Erdreich. Auch nicht schlecht.  🙂

Ich finde, Ameisen haben so sehr viele positive Eigenschaften, da kann man ihnen ihr Blattlaushobby nachsehen, immerhin waren sie ein paar Milliönen Jahre vor uns hier.  😉

P.S. Und mein Hausrotschwanz hat meine Ameisen zum Fressen gern.

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